Mahlsteine der Getreidemühle

Naturstein oder Kunststein?

Oft wird bei Mahlsteinen für Getreidemühlen in „Naturstein“ und „Kunststein“ unterschieden. Als „Naturstein“ werden dabei aus natürlichem Stein gehauhene Mahlsteine bezeichnet. Mit der fast schon negativ klingenden Bezeichnung „Kunststein“ sind hingegen aus verschiedenen Materialien „gemischten“ Mahlsteine gemeint, die gegossen oder gebrannt werden. Auch diese „gemischten“ Mahlsteine werden aus absolut natürlichen Mineralien hergestellt. Üblich sind heute Mahlsteine aus Korund-Keramik und aus Naxos-Basalt in Magnesit-Bindung.

Mahlstein aus Granit

Früher wurden Mahlsteine aus Granit hergestellt. Das war eine sehr zeitintensive und anspruchsvolle Aufgabe für die Steinmetze. „Hart wie Granit“ hat sprichwörtliche Bedeutung. Schaut man sich aber mal die unterschiedlichen Härten von Mineralien an, stellt man fest, dass Granit gar nicht so hart wie sein Ruf ist:

Härte wird in der Maßeinheit „Mohs“ definiert

Bekannt ist, dass der Diamant das härteste natürlich vorkommendes Mineral auf unserer Erde ist, der Diamant hat deswegen die Härte 10 auf der Mohs-Skala.
Granit hingegen hat nur die Härte 6, ist also deutlich weicher. Damit ein Mahlstein schönes, feines Mehl mahlt, muss er „scharf“ sein, d.h. er braucht eine raue Oberfläche. Bei Mahlsteinen aus Granit wird diese benötigte Oberfläche durch mechanische Bearbeitung erreicht (früher Beschlagen mit Hammer und Meißel, heutzutage meist mit einer elektrischen Flex). Da der Granit aber nun mal gar nicht so hart ist, wie sein Ruf, nutzt sich die raue Oberfläche im Betrieb in einer Getreidemühle vergleichsweise schnell ab.
Der ehemals „scharfe“ Mahlstein aus Granit wird im Laufe der Zeit glatt wie ein Flusskiesel. Damit lässt sich dann kein feines Mehl mehr mahlen, im Gegenteil, das Getreide wird nur noch zerquetscht zwischen den Mahlsteinen, statt zu Mehl zerrieben zu werden. Ab einem gewissen Punkt mahlt die Getreidemühle dann gar nicht mehr, sondern das Getreide verschmiert zwischen den Steinen und die Mühle setzt sich zu und blockiert.
Spätestens dann müssen die Mahlsteine ausgebaut werden und (vom Hersteller) neu bearbeitet werden, damit die Oberfläche wieder rau wird. Bei einer durchschnittlichen Nutzung einer Getreidemühle in einem 4-Personen-Haushalt ist das Schärfen der Granitmahlsteine alle 5 – 7 Jahre erforderlich. Dieses regelmäßige Nachschärfen der Mahlsteine gehörte früher übrigens auch zu den Aufgaben des Müllers, ein Müller verrichtete also auch diese Steinmetzarbeiten.

Mahlstein aus Naxos-Basalt in Magnesit-Salz-Bindung

Weil Mahlsteine aus Granit nicht sonderlich lange halten und zudem recht teuer weil aufwändig in der Herstellung sind, suchte man nach Alternativen.
In den 70iger Jahren begann Dr. Schnitzer die ersten Haushaltsgetreidemühlen zu bauen. Hier kamen gegossene Mahlsteine aus Naxos-Basalt in Magnesit-Salz-Bindung zum Einsatz. Legendär und oft heute noch in Betrieb sind die Schnitzer-Mühlen „FE“, „FE 100“ und „PE“ aus dieser Zeit. Solche Steine sind kostengünstig herzustellen, sie werden einfach in Formen gegossen, im Prinzip wie Beton. Statt Sand, Kiesel und Zement beim Beton werden bei diesen Steinen verschiedene Quarze oder Basalte – z.B. Naxos-Basalt – in Magnesit gebunden. Basalt und Magnesit haben unterschiedliche Härten: Basalt – je nach Sorte – die Härte 7 – 8 Mohs, und ist damit härter als Granit, Magnesit hat die Härte 4 – 4,5 Mohs. Auch ein solcher Stein nutzt sich beim Getreide mahlen etwas ab, da die verwendeten Mineralien aber unterschiedlich hart sind, wird der Mahlstein durch die Abnutzung nie glatt, sondern bleibt immer rau in der Oberfläche, weil sich das weichere Material – in diesem Fall das Magnesit – immer etwas schneller abnutzt als das härtere Mineral, der Basalt. Dadurch erfüllen solche Mahlsteine auch nach Abnutzung immer noch ihre Aufgabe: Sie bleiben scharf und zerreiben das Getreide. Lediglich die Feineinstellung der Getreidemühlen muss gelegentlich etwas nachjustiert werden, weil die Steine dünner werden.

Mahlstein aus Korund und Keramik

Korund-Keramik-Mahlsteine sind im Prinzip eine Weiterentwicklung der Naxos-Basalt-Steine: Sie kamen Mitte der 80iger Jahre auf und sind aktueller Standard bei Haushaltsgetreidemühlen. Auch hier werden zwei unterschiedlich harte Materialien gemischt, so dass die Oberfläche der Mahlsteine auch bei Abnutzung immer rau bleibt. Dieser Effekt wird oft auch als „selbstschärfend“ bezeichnet. Korund und Keramik sind noch mal deutlich härter als Basalt: Korund hat die Härte 9 Mohs, ist also nach dem Diamanten das zweithärteste natürliche Mineral. (Korund ist übrigens „mineralogisch“ betrachtet identisch mit Saphiren und Rubinen, nur nicht so schön bunt, sondern grau bis schwarz). Keramik hat je nach Zusammensetzung und Brennverfahren die Härte 8 – 9 Mohs, ist also minimal weicher als Korund, aber immer noch deutlich härter als Granit.
Korundkristalle mit 1,5 – 2 mm Durchmesser werden in einem bestimmten Verhältnis mit Keramikmasse gemischt, dann unter hohem Druck in Formen gepresst und zuletzt bei ca. 1300 C°  gebrannt. Korund-Keramik-Mahlsteine werden oft als „Kunststeine“ bezeichnet, bestehen aber aus absolut natürlichen Mineralien ohne irgendwelche künstlichen Zusätze. Korund ist eine Modifikation von  Aluminiumoxid (auch „Tonerde“ genannt, chemische Bezeichnung: α-Al2O3) und fast weltweit in Gebirgen zu finden. Keramik ist auch einfache Tonerde, die sehr fein gemahlen wird, dann mit Wasser gemischt in eine formbaren Masse gebracht wird und anschließend durch Trocknen bei hohen Temperaturen – dem „Brennen“ – zu einem extrem harten und haltbaren Material wird, der Keramik.
Eine minimale Abnutzung haben auch Korund-Keramik-Steine, auch hier muss – je nach Nutzungsintensität der Getreidemühle – alle 5 – 10 Jahre die Feineinstellung nachjustiert werden, weil die Steine etwas dünner werden. Auf der ursprünglichen Feineinstellung im Neuzustand mahlen sie sonst nicht mehr richtig fein. Bei Getreidemühlen mit Feineinstellung per Hebel (wie z.B. die hawos- und die Schnitzer-Mühlen) wird dafür der Einstellhebel etwas versetzt. Bei Getreidemühlen per Feineinstellung durch Trichterdrehen (z.B. Komo- und Waldner-Mühlen) muss gar nichts nachjustiert werden, der Trichter lässt sich einfach je nach „Abnutzung“ der Steine im Laufe der Jahre minimal weiter nach links drehen, um Feinmehl zu mahlen.
Nahezu jedem sind Korund und Keramik auch aus dem Alltag bekannt: gewöhnliches Schmirgelpapier hat in der Regel eine Oberfläche aus Korund-Kristallen, Keramik kennt sowieso jeder: die Kaffeetasse, die Zahnfüllung … Die Idee, aus einer Mischung aus Korund und Keramik Mahlsteine für Getreidemühlen zu bauen, hatte Wolfgang Mock, heute einer der Mühlenbauer der Komo Getreidemühlen.

Einsatz der verschiedenen Mahlsteine heute:

  • Mahlsteine aus Granit werden fast gar nicht mehr verwendet. Nur sehr wenige Hersteller bauen in einige Modelle ihrer Mühlen noch Granitsteine ein. getreidemuehlen.de hat keine Getreidemühlen mit Granitsteinen im Sortiment.
  • Mahlsteine aus Naxos-Basalt werden heutzutage fast nur noch in Handgetreidemühlen verwendet, hier aber nahezu ausschließlich. Da mit Handgetreidemühlen nur vergleichsweise kleine Mengen Getreide verarbeitet werden und durch das Kurbeln per Hand nur um 80 U/min „Geschwindigkeit“ auf die Mahlsteine kommt, haben Naxos-Basalt-Steine in Handgetreidemühlen im Gegensatz zur Verwendung in elektrischen Getreidemühlen eine absolut ausreichende Haltbarkeit. Zudem sind sie günstiger und auch ökologischer in der Herstellung, weil kaum Energie zur Produktion benötigt wird.
    Die einzigen mir bekannten elektrischen Getreidemühlen, die aktuell noch mit Naxos-Basalt-Steinen gebaut werden, sind die „Widu“-Mühlen von Fa. Wiederhold und die „Elsässer“-Mühlen der französischen Fa. SAMAP.
    Auch die „Erfinder“ der Naxos-Basalt-Steinen – die Fa. Schnitzer – setzt dieses Material seit vielen Jahren nur noch in ihren Handmühlen ein, alle heutigen elektrischen Schnitzer Getreidemühlen haben Mahlsteine aus Korund und Keramik.
  • Mahlsteine aus Korund-Keramik kommen in fast allen elektrischen Haushalts-Getreidemühlen zum Einsatz. Z.B. in den Getreidemühlen von Komo, Hawos, Schnitzer und Waldner. Erfahrungsgemäß haben sie bei intensiver Nutzung der Mühle in einem 4-Personen-Haushalt eine Lebensdauer von 15 – 20 Jahren, ehe sie mal ausgetauscht werden müssen. Kleinere Haushalte und „Gelegenheitsmüller“ werden wahrscheinlich nie neue Korund-Keramik-Steine für ihre Getreidemühle benötigen. Ein Paar Ersatzsteine kostet z.Zt. je nach Modell und Hersteller zwischen 30 und 80 €.
    Bei Handgetreidemühlen werden Korund-Keramik-Steine bisher in der Hawos Rotare, in der Komo Handmühle und in der hawos Molere verwendet.

Dissertation zum Thema Mahlsteine:

Es gibt nicht viele wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema. An der Uni Hohenheim wurde 1995 aber dann doch eine Dissertation über Mahlsteine in Getreidemühlen geschrieben. U.a. wurden hier verschiedene Materialen und ihre Mehlfeinheit und – sehr interessant – der spezifische Energieberbrauch der unterschiedelichen Mahlsteine (Korund, Granit, Basalt …) untersucht. Ist nicht gerade eine „lockere Lektüre“, aber wen es interessiert: Aus einer Dissertation zu Mahlsteinen für Getreidemühlen (8 Seiten PDF-Datei, zusammengestellt von Wolfgang Mock, Fa. Komo)

 

Weiterführende Links bei Wikipedia:

28 Kommentare zu “Mahlsteine der Getreidemühle

  1. endlich mal eine verständliche Erklärung der verschiedenen Mahlsteine in Getreidemühlen.
    habe ich lange nach gesucht, danke!

    Melissa

  2. Hallo,
    Eine sehr gute und verständliche Beschreibung.
    Wenn jetzt noch ein Link zu finden wäre, wo ich Ersatzsteine bestellen kann bzw. wie ich sie uzr Überarbeitung einschicken kann wäre es perfekt.

  3. Hallo Karsten,

    einfach per email oder tel. melden … es gibt viele verschiedene Mahlsteine verschiedener Hersteller.
    Zudem ist der passende Ersatzstein oft noch abhängig vom Baujahr der Mühle (einige Mühlen werden seit über 20 Jahren im Prinzip fast gleich gebaut, trotzdem braucht man je nach Alter der Mühle u.U. unterschiedliche Mahlsteine)

  4. Interessante Seite. Wie groß, und vor allem schwer muß denn ein Handmühlstein optimalerweise sein, um das Korn auch zu mahlen? Ich denke wenn der Stein zu leicht ist entsteht eine Art „Kugellagereffekt“ und der Stein rollt nur über die Körner.
    Grüße, Mike

  5. Guten Tag!

    Ein kleiner Hinweis: Die Mineralienhärteneinteilung heißt nach Friedrich Mohs Mohshärteskale, nicht Moh-Skala.

    Mit freundlichen Grüßen

  6. Hallo !

    Vielen Dank für diese ausführlichen und verständlichen Informationen. Die Seite war sehr hilfreich für mich.

    Mit freundlichen Grüßen

  7. Hallo,

    so lange kann man sich die Infos im Netz mühsam zusammensuchen und dann geht hier einfach die Sonne auf. Eine wirklich gelungene Zusammenfassung für Anfänger, die alle wichtigen Punkte abdeckt ohne auszuschweifen. Danke.

  8. Danke für den Artikel! Es gibt übrigens noch die Salzburger Getreidemühlen mit Granitmahlwerk (meine Mutter hat das Modell „Carina“). Es ist allerdings echt erstaunlich, welcher Unterschied in den Mineralien besteht und wie die Mahlsteine weiterentwickelt wurden. Sehr informativ und erhellend, hier alle Informationen & Hintergründe auf einer Seite zu finden… *daumenhoch*

  9. Ich kann mich nur meinen Vorgängern anschließen, denn es wurde schon fast alles gesagt. Sehr informativer und hilfreicher Text. Solch eine gute Zusammenfassung ist schwer zu finden. Danke dafür.

    Liebe Grüße,
    Michelle

  10. Hallo alle zusammen.

    Ich bin durch Zufall bei der Suche nach einer schönen Natursteinplatte auf diesen „Bericht“ gestoßen. Der Text hat mich dazu ermutigt mich etwas genauer mit diesem Thema zu befassen.

    Durch meine technische Ausbildung und zusätzlicher Recherche bin ich auf eine Menge Unwahrheiten in diesem Bericht gestoßen ,der wie mir scheint , nicht als Info Quelle für „Neu-Müller“ dient, sondern eher zu Werbezwecken.

    Als Erstes sind Steine, die in ihrer Zusammensetzung nicht in der Natur vorkommen künstlich –
    künstlich hergestellt, egal ob gemischt, geschüttelt, oder gerührt.

    Außerdem würde ich gerne klar stellen daß der Granit eine härte von 6-8 Moh´s hat, je nach Quarz-anteil. (Es gibt viele verschiedene Arten von Granit). Die „schärfe“ eine Steines ist nicht unbedingt vorteilhaft für das Vermahlen des Mehles, denn ein zu „scharfer“ Mahlstein (dieses bezieht sich eigentlich auf den Ra Wert des Steins) reißt und zerfetzt das Korn regelrecht.
    Andererseits wird es bei einem geringeren Ra Wert (Stein ist glatter) schonend zerrieben und vermahlen. Ein weiteres Beispiel sind die mittlerweile fast nicht mehr verwendeten Mühlen mit Stahlmessern.

    Jetzt komme ich zu dem Punkt der mich überhaupt dazu veranlasst hat diese Rezession zu verfassen.
    „Selbstschärfung“ wird hier dem künstlich hergestellten Korund-Keramik Stein nachgesagt durch seine 2 verschieden harte Materialien, und der Granit soll nach ein paar Jahren bereits eine rund gelutschte Seife sein.
    Es tut mir leid aber wenn man sich daran erinnert was jeder von uns in der Schule gelernt hat, dann muß einem einigermaßen gebildeten und denkenden Leser auffallen dass es diesem Bericht rundum an Wahrheitsgehalt fehlt:

    Granit besteht zu 98% aus !3! Materialien ( Feldspat, Quarz und Glimmer) die jeweils eine andere Härte vorweisen. Also bitte aus welchem Grund soll der Granit nicht selbst schärfend sein?
    Meine Großmutter hat eine Naturstein-Mühle bereits seit über 30 Jahren im Gebrauch. Diese wurde noch NIE nachgeschliffen noch sonst eine Reparatur durchgeführt; sie mahlt wie am ersten Tag.

    Wenn ich das Ganze jetzt zusammen fasse frage ich mich ob der so hoch gepriesene, künstlich hergestellte Korund – Keramik Stein, der zum größten Teil aus Aluminiumoxid und Siliziumoxid besteht, und dessen Abrieb in den menschlichen Körper gelangt, tatsächlich eine Weiterentwicklung im Mühlenbau ist oder doch nur eine billigere Variante zum Granit.

    Ich würde mich freuen wenn die von mir genannten Punkte in dem Text geändert werden um den Menschen zu ermöglichen sich ein wahres Bild über die Mühlsteine zu machen.

    Mfg
    Patrick

    Ps.: Eine „elektrische Flex“ nennt sich Winkelschleifer.

  11. Hallo Patrick,

    den Text ändern werde ich nicht 😉
    ein paar kurze Punkte als Antwort aber: Granit besteht je nach Zusammensetzung aus 40 – 60 % Feldspat und zu 20 – 40% aus Quarz. Quarz hat wirklich die Härte 7, ist aber immer der kleinere Anteil im Granit, Feldspat hat Härte 6, also liegt die Härte von Granit je nach Herkunft irgendwo zwischen 6 und max. 6,4 Mohs.

    Wegen dem „scharf“ bzw. „schärfen müssen“: Warum bieten die ganz wenigen Hersteller von Mühlen mit Granitsteinmahlwerken das nachschärfen der Steine denn dann an? Ich glaube nicht aus Langeweile 😉
    Oder: Ich kenne eine Bio-Vollkorn-Bäckerei, die ihr Mehl mit einer sehr, sehr großen Oststiroler Mühle mit Granitsteinen mahlt (ca. 2,5 m Mahlsteindurchmesser, schätze ich). Dort kommt 1 x jährlich im Auftrag des Mühlenherstellers ein Steinmetz, um die beiden Mahlsteine nach zu arbeiten, damit die Steine wieder „scharf“ werden.

    PS: und ein „Zollstock“ heißt korrekt „Gliedermaßstab“ – ist ungefähr genau so geläufig wie „Winkelschleifer“ in Relation zu „Flex“ 😉

  12. Interessant die letzten 2 Beiträge. Allerdings mag ich bezweifeln das eine 4-köpfige Familie in 4-7 Jahren die Mengen Getreide mahlt wie diese Bäckerei in einem Jahr. Sehe da im Haushalt mehr als die doppelte Laufzeit vor einer Granitsteinüberholung an – und diese ist je nach Hersteller kostenlos.

    Jedes Material hat Vor-und Nachteile, aber die Bäckerei wird wissen warum sie Granit gewählt hat und nicht welche aus Kunststeinen – Die Osttiroler bietet ja 3 verschiedene Materialien bei Ihren Mühlen an.

  13. Hallo Wolfgang,

    kurze Antwort zur Abnutzung Relation gewerbliche Bäckereimühle versus Haushalts-Getreidemühle:
    Die o.g. Gewerbe-Bäckerei-Mühle, die 1x jährlich durch den Steinmetz „geschärft“ werden muss, hat bei ca. 2,5 m Durchmesser knapp 4 m² Oberfläche je Stein (r² x pi)
    Haushaltsgetreidemühlen haben je nach Hersteller bzw. Modell Mahlsteine mit Durchmessern zwischen 70 mm bis 125 mm, im Schnitt also knappe 100 mm, das enspricht einer Oberfläche je Stein von ca. 0,16 m² je Stein …
    Auch dieser Unterschied – und nicht nur die Menge Getreide, die gemahlen wird – muss im Vergleich dann berücksichtigt werden 😉

  14. Hallo Thomas,

    sicherlich spielt auch die Größe eine Rolle, aber die Abnutzung des Steines hängt wohl hauptsächlich von Menge und eingestellte Feinheit ab. Wenn die 4-köpfige Familie 1,5 kg Getreide pro Tag vermahlt so sind es 45 kg im Monat und entspricht 540 kg im Jahr was wohl die Bäckerei in max. 3 Tagen vermahlt und das macht 64800 kg im Jahr, im Haushalt lediglich 6480 kg in 12 Jahren.
    Die Bäckerei wird wohl mehr Getreide in den 3 Tage vermahlen wie im Beispiel und so ein Haushalt eher weniger. Selbst habe noch ich die Elsässer F100 und keine mit Granit, auch wenn es sich so lesen sollte.

  15. Hallo Wolfgang,

    genau das meinte ich 😉
    wobei ich die kg-Mengen sowohl für Haushalt als auch für die Bäckerei, die ich meinte für zu hoch angesetzt einschätze (180 kg Mehl/Tag entspricht ca. 270 kg Brot pro Kalendertag bzw. ca. 330 Brote je Werktag, soviele Brote backt die kleine Bio-Backstube am Tag mit Sicherheit nicht)
    der Unterschied in der Mahlstein-Oberfläche und somit auch die „Verteilung der Abnutzung“ hat den Faktor 25

  16. ..aber wo bekomm ich denn jetzt günstig neue steine!?.Durchmesser 100 mm motoraufnahme 10mm!?..dank für antwort und gruss..vom…Alex!

    1. Hallo Alex,

      um welche Mühle (Hersteller/Modell) geht es?
      je nach Modell ist manchmal auch noch das Baujahr wichtig zu wissen
      schick‘ uns ggf. einfach ein Foto an email hidden; JavaScript is required

  17. Durch den Beitrag „Die Akte Alu“ scheint mir Aluminium nicht mehr so harmlos zu sein. Aluminiumoxid ist kein natuerlich vorkommendes Material. Ich vermute, daß der Korund, der bei Mahlsteinen zum Einsatz kommt, synthetisch hergestellt wird und kein Korund natuerlichen Vorkommens ist. Aluminium kommt in der Natur nicht geloest vor. Es ist fest in Gestein gebunden. Wenn man Wikipedia vertrauen darf, hat Aluminiumoxit eine lethale Dosis von LD50 (> 5000 mg·kg −1). Bei Natursteinen wie z.B. Granit oder Naxos-Basalt gibt es das nicht.

    IMHO ist die Frage nach dem Material durchaus berechtigt.

  18. Eine Dissertation die für mich so gar nicht nach einer Dissertation ausschaut und von einem Hersteller finanziert ist, der alle seine Mühlen mit technisch hergestelltem Korund ausstattet. Was soll dabei herauskommen? Auf die Details will ich gar nicht erst eingehen.

    Die selbstschärfende Wirkung der Korundsteine ist wohl eher auf auf den regelmäßigen Ausbrauch und der Korund-Korngrößen von ca. 1,5 bis 2,5 mm zurückzuführen. Die Mohshärte von Korund soll bei ca. 9 liegen und die Mohshärte des Keramik bei 8 bis 9 Mohs. Beide Werte liegen dicht beieinander. Mit Sicherheit gibt es noch eine technische Streuung und wir können vermutlich die Werte praktisch fast gleich setzen. Wie bereits gesagt, werden sich regelmäßig einzelne Korund-Körner herauslösen und dadurch bleibt die Oberfläche rauh. – Der eine oder andere hat bestimmt Elektrokorund Schleifsteine für Bohrmaschinen im Einsatz und wundert sich über die starke Abnutzung. Das ist kein Abschleifen im erwartetem Sinn, sondern ein Ausbrechen von Korund-Körnern. –

    Bei Granit haben wir die drei Grundmaterialien, neben ein paar anderen, mit folgenden Werten: Feldspat (6 bis 6,5 Mohs), Quarz (7 Mohs) und Glimmer (2 bis 4 Mohs). Es leuchtet ein, dass es auch hier zu Ausbrüchen und Materialabnahme kommen wird. Es dürfte ebenfalls nicht schwer zu verstehen sein, dass die Natur durch mischen der anteiligen Zusammensetzung der Zutaten verschiedene Qualitäten hergestellt hat, von denen sich einige gut als Mahlsteine eignen und ebenfalls über selbstschärfende Eigenschaften verfügen.

    Beide Materialien werden sich mit der Zeit abnutzen. Ob Korund grundsätzlich besser ist als eine gut gewählte Granitqualität, muss jeder für sich entscheiden. Ob das Ausbrechen bei Granit in der Stärke erfolgt, wie bei den Korundsteinen ist offen. M.E. ist der Verschleiß von Korund höher als der von Granit. Nicht, weil das Material so hart ist, sondern, weil es so hart ist und regelmäßig Körner herausgelöst werden. Bei Granit ist zu beobachten, dass es gleichzeitig zu Materialabnahme und Herausbrechen von Teilen kommt. Jedoch ist das nach meiner Erfahrung nicht so krass wie bei Korund. Als Beispiel nenne ich wieder den Schleifstein, wie er z.B. zum Messerschärfen eingesetzt wird.

    Für die Beurteilung der Haltbarkeit ist auch die Stärke der Mahlsteine und der Spielraum zu Justierung der Mahlsteine zu berücksichtigen. Ohne solche Angaben kann die Gesamtqualität einer Mühle nicht beurteilt werden.

    Wem es nicht ausmacht, Aluminionoxide oder gar Chromoxide – Der Edelkorund sieht dann so schön rosa aus – aufzunehmen, kann gerne Korundmahlsteine nehmen. Natürlich ist auch der Granit nicht frei von Bausteinen mit Nebenwirkungen, wie z.B. leicht radioaktiv strahlenden Teilchen, aber so ist das halt in der Natur. Nichts ist perfekt, aber alles ist gut aufeinander abgestimmt. Granitmahlsteine sind seit einigen tausend Jahren in Einsatz und dinge Exemplare sind gut erhalten und immer noch brauchbar. Ich werde mir mal die Korund-Steine in ein paar tausend Jahre ansehen. Ich bin bespannt, wie viele von denen überhaupt noch als Stein zu erkennen sein werden.

    In diesem Sinne…

    1. „Eine Dissertation die für mich so gar nicht nach einer Dissertation ausschaut und von einem Hersteller finanziert ist, (…)“ verstehe ich nicht.
      Mir ist nichts davon bekannt, dass diese Dissertation von einem Hersteller finanziert wurde, won welchem denn bitte?
      Wenn schon solche Anschuldigungen, dann bitte Namen und Quellen nenen, ansonsten geht das Richtung übler Nachrede, danke!
      Ansonsten: Es wird wohl auch Gründe haben, warum nahezu alle Hersteller von Haushaltsgetreidemühlen seit Mitte der 80er auf Korund-Keramik-Mahlsteine setzen. und eben nicht nur der „Erfinder“ dieser Steine. Selbst der österreichische Hersteller von Haushaltsgetreidemühlen der einen Teil seines Sortimentes mit Granitsteinen ausstattet, hat überwiegend Mühlen mit Korund-Keramik-Mahlsteinen im Sortiment, warum bloß? wenn diese Steine so schlecht sind, wie er selber immer wieder behauptet, verstehe ich nicht, warum er sie selber verbaut.
      Und: Natürlich stimmt es „Granitmahlsteine sind seit einigen tausend Jahren in Einsatz“ – solche Steine sind in jedem Mühlenmuseum zu sehen.
      Aber es gibt nun mal ab und an Erfindungen und Verbesserungen, die sich aus guten Gründen durchsetzen.
      Bevor das Auto erfunden wurde, waren Pferdefuhrwerke ein sinnvolles Transportmittel … heute auch nur noch Nostalgie.
      Und die Atomkraft hatte mal den Ruf, eine unendliche, saubere und sichere Energiequelle zu sein, gibt nur noch wenige, die das heute noch behaupten 😉

      1. Ja aber nicht jede Erfindung ist positiv und besser. Übrigens auch die Pferdefuhrwerke waren natürlicher und gesünder als die wahnsinnig vielen Autos auf der Straße. An die Atomkraft als saubere und sichere Quelle habe ich noch nie geglaubt.

  19. Danke für die Mühe, die Sie sich mit der Erklärung dieser müllereitechnischen Sachverhalte gemacht haben. Ich habe nur eine Frage: Es ist ja ständig vom Abrieb der Mahlsteine die Rede; der ist zwar wohl mengenmäßig winzig, aber gibt es Untersuchungen dazu, ob dieser Abrieb (der wohl ins Mehl gelangt und dann verzehrt wird) irgendwelche gesundheitlichen Auswirkungen hat? Als Laie kann man sich kaum vorstellen, dass scharfkantige Partikel (seien sie nun Feldspat, Quarz, Glimmer oder Korund) gut für den Verdauungstrakt sind.

    1. Hallo,
      egal um welche Mahlsteine es sich handelt (Korund-Keramik, Naxos-Basalt in Magnestit oder Granit), alle Steine bestehen aus natürlichen Mineralien, deren „Verzehr“ in quasi homöopathischen Mengen völlig unbedenklich ist.

  20. Lieber „Mühlenman“ 😉

    Eigentlich wurde ja die letzte Frage schon beantwortet um den Steinabrieb, doch ich möchte da noch etwas weiter gehen. Mich beschäftigt das auch schon seit langem mit den Korund-Keramik-Mühlsteinen. Ich hatte schon zwei Mühlen diverser Hersteller mit diesen Steinen. Klar, Mahlergebnis ist einfach unschlagbar gegenüber anderen Mahlsteinen… diese hohe Mehlfeinheit bekommt man sicherlich nur mit diesen Steinen hin.

    Aber wie mein Vorredner mache ich mir auch da Gedanken mit dem Abrieb des Korunds. Man braucht nur mal eine kleine Menge Reis (weiß) mahlen und das mal auf dem Tisch verteilen… dann findet man einige dieser kleinen schwarzen Korundteilchen im Mehl. Auch wenn die Aufnahme in diesen Mengen homöopathisch gesehen natürlich unbedenklich ist – aber können denn diese Teilchen nicht ungewollt im Magen-Darm-Trakt hängen bleiben und zu Entzündungen führen? Es ist ja nicht so das man nur selten mal dann Teilchen aufnimmt, wenn man die Getreidemühle täglich verwendet…

    Vielleicht denke ich auch einfach zu weit oder meine Bedenken sind lächerlich, aber wie schon bereits erwähnt von anderen Kunden, die Steine bestehen aus künstlich erzeugten Oxiden und ich bezweifle, dass diese sich, wie z. B. bei einem natürlichen Mineralgestein im Körper auflösen. Wahrscheinlich verbleiben sie dann im Körper, mehr oder weniger? Und.. nur weil diese Steine schon seit den 80ern verwendet werden und heutiger Standard sind, müssen sie ja noch lange nicht unbedenklich sein. Es gibt eben keine Langzeitstudien darüber.

    Wie denken Sie als erfahrener Fachmann darüber? Besten Dank für Ihre Ausführungen vorab!

    1. Hallo Marco,

      also mein Darm scheidet eigentlich alles unverdauliche recht zuverlässig wieder aus, das ist der Job des Darms …
      Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese absolut winzigen Mengen im Darm hängen bleiben und dort zu Entzündungen führen …
      Ein Satz Mahlsteine hat bei regelmäßiger Nutzung in einem 4-Personen-Haushalt Nutzung eine „Haltbarkeit“ von ca. 20 Jahren, dann hat er sich um vielleicht 0,2 mm abgenutzt und mahlt nicht mehr richtig fein.
      Aber interessante Frage deswegen mal der Versuch, die „Menge“ Abrieb zu ermitteln:
      Habe gerade einen mittelgroßen Standardmahlstein von Fa. Komo gemessen und gewogen: 85 mm Durchmesser, 15 mm Dicke, 204 g
      Die Abnutzung erfolgt fast nur im äußeren Bereich der Steine, da wo sie plan aufeinanderlaufen, das ist die max. halbe Fläche, also:
      Gesamtvolumen: r² x pi = 5674,5 mm² x 15 mm Dicke = 85117,5 mm³
      abgenutzer Teil nach 20 Jahren: 5674,5 mm² / 2 = 2837,25 x 0,2 = 567,45 mm³
      Gewicht je mm³: 204 g / 85117,5 = 0,002396 g
      Gewicht Abrieb in 20 Jahren: 0,002396 g x 567,45 mm³ = 1,3596 g
      das wieder x 2, weil es ja 2 Mahlsteine sind: 2,7192 g
      durch 20 Jahre durch 4 Personen = 0,03399 g pro Person und Jahr
      Da sollte ein Darm mit klar kommen … wenn nicht, hätten ja auch alle Getreidemühlenbesitzer ständig Darmentzündungen 😉

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